„Zeit schenken, das ist das Wichtigste“
Wenn Eva Krüger durch die Türen des Altenpflegeheims St. Paulus geht, wirkt es ein bisschen so, als würde sie nach Hause kommen. Mitarbeiterinnen sprechen sie an, Gäste fragen nach dem Weg. „Ich bin in der Nachbarschaft aufgewachsen und wohne bis heute in Hildesheim“, erzählt sie. Bereits ihr Schulweg habe an der Ruine der alten Dominikanerkirche vorbeigeführt, die später zum Altenpflegeheim St. Paulus umgebaut wurde.
Ehrenamtlich engagiert sich Eva Krüger seit 2014 im Altenpflegeheim St. Paulus. Kurz zuvor war ihre Schwiegermutter hier verstorben war. Damals gab es noch eine kleine Gruppe Ehrenamtlicher, die gemeinsam die Sterbebegleitung im St. Paulus unterstützten – den „Brückendienst“. In der Zeit der Corona-Pandemie hat sich die Gruppe aus Altersgründen aufgelöst. Eva Krüger ist geblieben.
„Ganz aufhören, wollte ich nicht“
Eva Krüger ist heute 78 Jahre alt. Sie hat ihr Berufsleben in sozialen Zusammenhängen verbracht. Ursprünglich kommt sie aus dem Verwaltungsbereich, studierte dann auf dem zweiten Bildungsweg Erziehungswissenschaften und arbeitete unter anderem in der Wohnungslosenhilfe. Viele Jahre war sie außerdem Heimleitung in der Kinder- und Jugendhilfe – eine Aufgabe, die sie prägte.
Als sie mit 60 aufhörte, war für sie klar: Ganz aufhören möchte sie nicht. Sie absolvierte eine Ausbildung in Trauerbegleitung und hospizlicher Arbeit, leitete Trauergruppen und war als Koordinatorin tätig – unter anderem auch im Verein FRIDA, einem Angebot zur Begleitung von Angehörigen demenziell erkrankter Menschen.
Ehrenamt im St. Paulus: Da sein, wenn es zählt
Heute kommt Eva Krüger mehrmals die Woche ins St. Paulus. Sie besucht Bewohnerinnen und Bewohner, setzt sich ans Bett oder an den Tisch, erzählt auch mal etwas von sich – und bringt so Gespräche in Gang. „Manchmal singen wir gemeinsam und manchmal reicht, dass jemand da ist“, sagt sie.
Besonders wichtig ist ihr die Sterbebegleitung. „Viele Menschen haben große Ängste vorm Sterben“, sagt sie. Und sie empfindet es als Verpflichtung – auch als Aufgabe der Angehörigen –, niemanden allein zu lassen.
Ob sie dabei ein schlesisches Marienlied summt, weil sie weiß, woher ein Mensch stammt, oder einfach nur schweigend neben dem Bett sitzt: Für Eva Krüger ist das ein Geschenk in beide Richtungen. „Es gibt mir ein gutes Gefühl, jemandem noch etwas geschenkt zu haben.“
Einladung zum Ehrenamt: „Jede Stunde hilft“
Heimleitung Christiane Ernst erlebt Eva Krüger mit einem Blick dafür, wo gerade jemand gebraucht wird. „Frau Krüger kommt ins Haus, und sie weiß, wo es langgeht, wie sie mit wem spricht. Sie ist eine große Unterstützung für unser Team.“
Christiane Ernst wünscht sich, dass mehr Menschen den Weg ins Ehrenamt finden – gerade in der Altenpflege. „Wir sind als Haus total offen und freuen uns, wenn Menschen auf uns zukommen – am besten mit einer Idee, was ihnen selbst Spaß macht – ob gemeinsam Karten spielen, singen oder lesen. Schon eine Stunde in der Woche für einen einzelnen Menschen ist ein riesiges Geschenk.“, sagt sie.
Denn oft sind es genau diese kleinen, regelmäßigen Momente, die den Alltag verändern: ein Spaziergang im Garten, eine vorgelesene Geschichte, ein Gespräch über früher. Eine Stunde für einen Menschen da sein. Und genau darum geht es auch Eva Krüger, wenn sie Menschen etwas schenkt, das sich nicht nachholen lässt: Zeit.
Sie haben Lust, sich im Altenpflegeheim St. Paulus ehrenamtlich zu engagieren? Dann melden Sie sich gerne bei Christiane Ernst, telefonisch unter 05121 109-400 oder per E-Mail an c.ernst@st-paulus-hildesheim.de.




